Handwerkslied über die Wanderschaft

Auf, geliebte Brüder,
durch Gebirg und Tal,
bunte Blumen blühen
hier und überall,
goldene Bächlein fliessen.
Es ist doch eine Wonne.
Es ist doch eine Pracht.
Ist doch ein lustig Leben,
auf der Wanderschaft.

Sei´n Charlottenburger auf dem Rücken,
Schwermut in der Brust,
schwenkt so mancher Maurersmann
sich dahin mit Lust.
Schwermut in der Seele,
Brandwein in der Kehle.
Es ist doch eine Wonne ,
es ist doch eine Pracht.
Ist das ein lust´ges Leben
auf der Wanderschaft.

Auf meiner letzten Reise
erlitt ich etwas Not.
Bald fehlte mir die Speise,
bald fehlte mir an Brot.
Am Tag im Schnee marschiert,
des Nachts auf Stroh logiert.
Hat man sich daneben
einige Bienchen aufgerafft,
war´s doch ein lustig Leben
Auf der Wanderschaft.

Immer frohe Miene
Ist für uns bestellt,
Jung und Alt zu dienen
freudig für das Geld.
Junge Madchen winken,
volle Becher Blinken,
hat man sich daneben
ein paar Hosen angeschafft.
Wars doch ein lustiges Leben
auf der Wanderschaft.

Hier auf allen Wegen
führt uns die Wanderschaft,
strömt ein kühler Regen
von oben auf uns herab.
Dann Spiel ich auf der Zither
troz dem Gewitter.
Besteig ich den Pilatus,
wenns´ donnert, wenn es kracht.
Bis die Sonn erscheint
auf der Wanderschaft.

Lass die Alten brummen
Junge tun es nicht.
Lass Philister knurren,
flotte Burschen nicht.
Liebe in der Seele,
Brandwein in der Kehle.
Auf dass der Wandergeist
nicht zu früh erschlafft.
Sonst wärs kein lustig Leben
auf der Wanderschaft.

Sind wir des Reisens müde
sehnen wir uns nach Ruhe,
singen frohe Lieder
nach der Heimat zu.
Lauter Glück und Segen
strömt da uns entgegen
und ein junges Weibchen
was uns Freude macht.
Die uns versüsst das Leben
nach der Wanderschaft

Kommt man nun in die Jahre,
wird man alt und schwach
wandelt seinem Geschäfte
früh und zeitig nach.
Jungen werden sagen,
nach verflossnen Jahren:
Alter, du hast schon Etwas mitgemacht.
In den Versoffnen Jahren
auf der Wanderschaft.


Noten und Musik
Das heitere Arbeitslied über die Wanderschaft „Auf geliebte Brüder durch Gebirg und Tal“ stammt aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches (1871-1918). Der Verfasser des Liedtextes ist unbekannt.

Das Stück handelt von einem Gesellen, der mit seinem Charlottenburger auf dem Rücken, auf Wanderschaft geht. Trotz einiger Widrigkeiten hat der Geselle auf der Walz eine vergnügliche Zeit und wird auch im hohen Alter noch für seine geleistete Arbeit respektiert.